House of Strauss Wien: Wo die Geschichte des Wiener Walzers bis heute lebt
Mitten in Wien-Döbling befindet sich ein Ort, an dem Wiener Musikgeschichte nicht nur erzählt, sondern tatsächlich geschrieben wurde. Das House of Strauss im historischen Casino Zögernitz verbindet einen originalen Konzertsaal aus dem 19. Jahrhundert mit einem modernen, interaktiven Museum und klassischen Konzerten.
Das Besondere daran: Die Verbindung zur Familie Strauss ist keine nachträglich geschaffene Geschichte. Johann Strauss Vater, Johann Strauss Sohn, Josef Strauss und Eduard Strauss musizierten tatsächlich an diesem Ort.
Damit gehört das House of Strauss zu den außergewöhnlichsten historischen Musikstätten Wiens.
Ein Originalschauplatz der Wiener Musikgeschichte
Das Gebäude in der Döblinger Hauptstraße 76, 1190 Wien wurde als Casino Zögernitz im Jahr 1837 eröffnet.
Der Begriff „Casino“ hatte damals allerdings eine andere Bedeutung als heute. Im Wien des 19. Jahrhunderts waren sogenannte Casinos gesellschaftliche Unterhaltungs- und Veranstaltungslokale. Man traf sich zum Essen, Tanzen, Feiern und vor allem zum Musikhören.
Diese Häuser spielten eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Leben des Biedermeier. Wien wuchs zunehmend über das historische Stadtzentrum hinaus, und Gegenden wie Döbling entwickelten sich zu beliebten Ausflugs- und Vergnügungszielen.
Das Casino Zögernitz wurde zu einem dieser bedeutenden Treffpunkte.
Und bereits bei seiner Eröffnung war ein Name eng mit dem Haus verbunden: Strauss.
Johann Strauss Vater und der Beginn einer außergewöhnlichen Verbindung
Johann Strauss Vater (1804–1849) gehörte zu den wichtigsten Musikern seiner Zeit und war gemeinsam mit Joseph Lanner maßgeblich an der Entwicklung des Wiener Walzers beteiligt.
Bei der Eröffnung des Casino Zögernitz im Jahr 1837 spielte Strauss mit seinem Orchester. In der ersten Saison war er eng mit dem musikalischen Programm des Hauses verbunden.
Der Wiener Walzer befand sich damals mitten in seinem Aufstieg. Was ursprünglich vor allem Tanzmusik war, entwickelte sich zunehmend zu einem kulturellen Phänomen.
Neue Walzer, Märsche, Polkas und Quadrillen wurden mit großer Aufmerksamkeit erwartet. Kapellmeister wie Johann Strauss Vater wurden zu bekannten Persönlichkeiten, ihre Orchester traten in den wichtigsten Unterhaltungslokalen der Stadt auf.
Das Casino Zögernitz war damit von Beginn an Teil jener Wiener Musikkultur, aus der später das internationale Bild Wiens als Stadt des Walzers entstehen sollte.
Johann Strauss Sohn – vom jungen Kapellmeister zum Walzerkönig
Noch berühmter sollte der Sohn von Johann Strauss Vater werden.
Johann Strauss Sohn (1825–1899) ist heute weltweit als „Walzerkönig“ bekannt. Werke wie „An der schönen blauen Donau“, der „Kaiser-Walzer“, „Geschichten aus dem Wienerwald“ oder die Operette „Die Fledermaus“ gehören bis heute zu den bekanntesten Werken österreichischer Musik.
Doch bevor Strauss zum internationalen Star wurde, musste er sich zunächst eine eigene Karriere aufbauen.
Dabei spielte auch das Casino Zögernitz eine Rolle.
Bereits in den 1840er-Jahren trat Johann Strauss Sohn hier auf und veranstaltete Konzerte und Feste. Der historische Ort wurde damit zu einer Bühne in einer entscheidenden Phase seiner frühen Karriere.
Besonders interessant ist die Verbindung des Hauses mit dem Revolutionsjahr 1848.
Johann Strauss Sohn reagierte musikalisch auf die politischen Entwicklungen dieser Zeit. Im Casino Zögernitz erklangen Werke, die unmittelbar mit der Revolution verbunden waren, darunter seine „Freiheits-Lieder“, op. 52.
Diese Geschichte zeigt, dass der Wiener Walzer weit mehr war als bloße Unterhaltungsmusik. Musik, Gesellschaft und Politik waren im Wien des 19. Jahrhunderts eng miteinander verbunden.
Musik, Licht und große Inszenierungen
Johann Strauss Sohn verstand schon früh, dass ein Konzert mehr sein konnte als nur Musik.
Im Jahr 1850 veranstaltete er im Casino Zögernitz ein großes Fest mit Ball, Beleuchtung und Feuerwerk. Für diesen Anlass entstand der Walzer „Johannis-Käferln“, op. 82.
Schon damals verband Strauss Musik mit Atmosphäre, Raum und Inszenierung.
Fast zwei Jahrhunderte später wirkt dieser Gedanke erstaunlich modern: Besucher sollten Musik nicht einfach nur hören – sie sollten einen besonderen Abend erleben.
Genau diese Idee findet sich auch im heutigen House of Strauss wieder.
Eine ganze Musikerdynastie unter einem Dach
Die Geschichte der Familie Strauss besteht jedoch nicht nur aus Johann Strauss Vater und dem berühmten Walzerkönig.
Auch dessen Brüder Josef Strauss (1827–1870) und Eduard Strauss (1835–1916) wurden erfolgreiche Komponisten und Dirigenten.
Josef Strauss war ursprünglich technisch und naturwissenschaftlich orientiert, entwickelte sich jedoch ebenfalls zu einem bedeutenden Komponisten. Eduard Strauss wiederum leitete die Strauss-Kapelle über viele Jahre und unternahm internationale Konzertreisen.
Das Besondere am historischen Strauss-Saal des Zögernitz ist deshalb seine Verbindung zur gesamten komponierenden Strauss-Dynastie.
Johann Strauss Vater sowie seine Söhne Johann, Josef und Eduard musizierten hier.
Dadurch ist das House of Strauss nicht nur ein Ort, der an eine einzelne berühmte Persönlichkeit erinnert.
Es erzählt die Geschichte einer ganzen Familie, die das musikalische Bild Wiens nachhaltig geprägt und den Wiener Walzer in die Welt getragen hat.
Der historische Strauss-Saal
Das Herzstück des House of Strauss ist der rund 350 Quadratmeter große historische Strauss-Saal.
Seine Bedeutung liegt nicht darin, einen Konzertsaal des 19. Jahrhunderts nachzuahmen.
Er ist selbst Teil dieser Geschichte.
Hier erklang bereits im 19. Jahrhundert die Musik der Strauss-Dynastie. Menschen kamen hierher, um zu tanzen, Musik zu hören und gesellschaftliche Veranstaltungen zu besuchen.
Heute ist der Saal restauriert und wird erneut für Konzerte genutzt.
Historische Gestaltungselemente wurden erhalten beziehungsweise aufwendig wiederhergestellt. Gleichzeitig wurde moderne Veranstaltungs-, Klima- und Haustechnik möglichst zurückhaltend in das historische Gebäude integriert.
Dadurch entstand kein Museumssaal, den man nur betrachten kann.
Der Strauss-Saal ist wieder das, wofür er ursprünglich geschaffen wurde:
ein lebendiger Konzertsaal.
Vom historischen Casino zum House of Strauss
Die fast zweihundertjährige Geschichte des Gebäudes verlief keineswegs geradlinig.
Wie viele historische Veranstaltungsorte wurde auch das Casino Zögernitz im Laufe der Jahrzehnte mehrfach verändert und unterschiedlich genutzt.
Viele vergleichbare Wiener Tanz- und Vergnügungslokale des 19. Jahrhunderts sind heute vollständig verschwunden.
Umso bedeutender ist der Erhalt des Zögernitz.
Das Gebäude wurde unter Denkmalschutz gestellt und schließlich umfassend restauriert. Nach jahrelanger Arbeit konnte der historische Komplex wieder einer kulturellen Nutzung zugeführt werden.
Im Jahr 2023 wurde das House of Strauss eröffnet.
Damit entstand kein gewöhnliches Museum, sondern eine Verbindung aus historischem Originalschauplatz, interaktiver Ausstellung und lebendiger Konzertstätte.
Ein Museum, das Strauss erlebbar macht
Das heutige House of Strauss umfasst rund 2.000 Quadratmeter und beschäftigt sich mit der Geschichte der Strauss-Dynastie, der Entstehung des Wiener Walzers und dem gesellschaftlichen und musikalischen Leben Wiens im 19. Jahrhundert.
Dabei setzt die Ausstellung bewusst nicht ausschließlich auf klassische Museumsvitrinen und lange Texttafeln.
Multimediale und interaktive Elemente ermöglichen unterschiedliche Zugänge zur Musik.
Besucher erfahren, wie die Familie Strauss lebte und arbeitete, wie ihre Musik entstand, wie das Musikgeschäft des 19. Jahrhunderts funktionierte und wie aus Wiener Tanzmusik schließlich ein internationales kulturelles Phänomen wurde.
Auch Operette, Konzertreisen, Familie, Konkurrenz, gesellschaftliche Entwicklungen und die Geschichte des Casino Zögernitz selbst werden thematisiert.
Dadurch richtet sich das Museum sowohl an Menschen, die bereits viel über klassische Musik wissen, als auch an Besucher, die Strauss und den Wiener Walzer zum ersten Mal näher kennenlernen möchten.
Geschichte, die wieder klingt
Das vielleicht Außergewöhnlichste am House of Strauss ist die Verbindung zwischen Museum und Konzert.
Nach dem Museumsbesuch endet die Geschichte nicht hinter einer letzten Ausstellungstafel.
Im historischen Strauss-Saal finden heute wieder regelmäßig klassische Konzerte statt.
Beim Konzertformat „Classics of Austria“ erklingen Werke der Strauss-Dynastie ebenso wie Musik anderer bedeutender österreichischer und mit Wien eng verbundener Komponisten.
Damit wird der historische Raum erneut für seinen ursprünglichen Zweck genutzt.
Besucher können zunächst erfahren, welche Bedeutung die Familie Strauss für Wien hatte – und anschließend in jenem Saal Platz nehmen, in dem Mitglieder dieser Familie selbst musizierten.
Geschichte wird damit nicht nur erzählt. Sie bekommt wieder einen Klang.
Mehr als nur Johann Strauss
Ein weiterer wichtiger Aspekt des House of Strauss ist die Einordnung der Familie in die größere Wiener Musikgeschichte.
Der Wiener Walzer entstand nicht isoliert. Komponisten, Musiker, Veranstalter, Tanzlokale und ein musikbegeistertes Publikum bildeten gemeinsam ein kulturelles Ökosystem.
Neben der Familie Strauss spielte beispielsweise Joseph Lanner eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Wiener Walzers.
Auch solche Zusammenhänge machen verständlich, warum Wien im 19. Jahrhundert zu einem internationalen Zentrum der Unterhaltungsmusik werden konnte.
Die Geschichte des House of Strauss ist deshalb gleichzeitig eine Geschichte über Wien, seine Bevölkerung, seine gesellschaftlichen Veränderungen und seine außergewöhnliche Musikkultur.
Auch im 20. Jahrhundert blieb der Saal musikalisch bedeutend
Die musikalische Geschichte des Zögernitz endete nicht mit der Strauss-Dynastie.
Auch im 20. Jahrhundert wurde der historische Saal für Musikaufnahmen und musikalische Arbeit genutzt.
Unter anderem ist der Ort mit Nikolaus Harnoncourt und dem Concentus Musicus Wien verbunden.
Damit treffen im Zögernitz zwei unterschiedliche Kapitel der Wiener Musikgeschichte aufeinander: die große Tanz- und Unterhaltungskultur des 19. Jahrhunderts und die historisch informierte Aufführungspraxis des 20. Jahrhunderts.
Diese kontinuierliche musikalische Nutzung macht den Ort zusätzlich außergewöhnlich.
Internationale Anerkennung für ein Wiener Kulturerbe
Auch die Restaurierung und Revitalisierung des historischen Gebäudes erhielt internationale Anerkennung.
Im Jahr 2026 wurde das Projekt beim FIABCI World Prix d’Excellence als World Silver Winner in der Kategorie Heritage ausgezeichnet.
Die Auszeichnung würdigt den besonderen Umgang mit historischer Substanz und die erfolgreiche Verbindung von Denkmalschutz und zeitgemäßer Nutzung.
Das historische Gebäude wurde damit nicht lediglich restauriert.
Es erhielt wieder eine Funktion, die eng mit seiner ursprünglichen Geschichte verbunden ist.
Warum das House of Strauss in Wien besonders ist
Wien verfügt über weltberühmte Opernhäuser, Konzertsäle und Museen.
Doch das House of Strauss erzählt eine andere Seite der Wiener Musikgeschichte.
Das Casino Zögernitz stammt aus einer Zeit, in der sich der Wiener Walzer gerade zu einem internationalen Phänomen entwickelte. Es erzählt von Kapellmeistern, Orchestern, Tanzveranstaltungen, Gartenfesten und einem Publikum, das immer wieder neue Musik hören wollte.
Hier spielte Johann Strauss Vater.
Hier trat der junge Johann Strauss Sohn auf.
Hier erklang Musik während des Revolutionsjahres 1848.
Hier wurden neue Werke aufgeführt.
Hier musizierten Johann, Josef und Eduard Strauss.
Und heute sitzt erneut ein Publikum im historischen Saal und hört klassische Musik.
Genau deshalb ist das House of Strauss mehr als ein Museum.
Es ist ein historischer Musikort, der wieder das tut, wofür er 1837 geschaffen wurde.
Was ist das House of Strauss?
Das House of Strauss ist ein interaktives Museum und eine Konzertstätte im historischen Casino Zögernitz in Wien-Döbling. Es widmet sich der Geschichte der Strauss-Dynastie, dem Wiener Walzer und der Wiener Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts.
Wo befindet sich das House of Strauss?
Das House of Strauss befindet sich in der Döblinger Hauptstraße 76, 1190 Wien, Österreich.
Wann wurde das Casino Zögernitz eröffnet?
Das historische Casino Zögernitz wurde 1837 eröffnet.
Welche Mitglieder der Familie Strauss spielten im Zögernitz?
Mit dem historischen Konzertsaal sind Johann Strauss Vater, Johann Strauss Sohn, Josef Strauss und Eduard Strauss verbunden.
Was kann man heute im House of Strauss erleben?
Besucher können ein multimediales und interaktives Museum über die Strauss-Dynastie besuchen und anschließend klassische Konzerte im historischen Strauss-Saal erleben.
Warum ist der Strauss-Saal historisch bedeutend?
Der Strauss-Saal ist ein originaler Konzertsaal des 19. Jahrhunderts und eng mit der gesamten komponierenden Strauss-Dynastie verbunden. Er wird heute wieder als Konzertsaal genutzt.